Liebe Nachbar*innen, liebe Interessierte,
dieser Jahresrückblick bietet eine Perspektive aus antifaschistischer Sicht auf das Jahr 2019 in Sasel und Umgebung. Natürlich ist unsere Sicht unvollständig und wir bekommen bei weitem nicht alles mit, was in der Gegend passiert. Zudem kennen wir weder alle Personen aus der Gegend, welche sich als antifaschistisch verorten, noch alle Personen, die an Protesten und Aktionen beteiligt sind.
Wir starten mit den positiven Dingen, um dann zum Abschluss auf Aktivitäten faschistischer Parteien, Gegenprotesten, sowie rechtsextremer Propaganda und Übergriffe zu sprechen zu kommen.
Das Jahr begann für uns mit dem Holocaustgedenktag am 27.01.2019. Nachdem wir am Mahnmal der KZ Gedenkstalle Sasel einen Kranz und Kerzen niedergelegt und den Menschen gedacht haben, die an diesem Ort solch unmenschlichen Schrecken erleben mussten, haben wir gemeinsam mit anderen Genoss*innen aus Hamburg in den Straßen „Aalkrautweg“, „Mellingburgredder“, „Hohensasel“ und „Feldblumenweg“ Flyer an die direkten Anwohner*innen verteilt, um über die perfide Instrumentalisierung der Shoa gegen eine geplante Unterkunft für Geflüchtete aufmerksam zu machen.
Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf den Blog von dkm-Antifa, in dem alles anschaulich zusammengestellt wurde: https://dkmantifa.blackblogs.org/2019/01/25/solidaritaet-mit-refugees-in-sasel-und-ueberall/
Am 8.5.2019, welcher zur Schande Deutschlands weder relevanter Bezugspunkt in der neuen Geschichte, noch offizieller Feiertag ist, wurde natürlich wie jedes Jahr zum Tag der Befreiung ausgiebig im Saseler Park gefeiert!
Im Hochsommer haben wir spontan beschlossen, Stolpersteine zu putzen. Leider haben wir festgestellt, dass die meisten Messingplatten in Sasel, Berne, Volksdorf und Farmsen in dunkelbraunem, sehr schlechten Zustand waren. Schade, dass sich offenbar nur wenig direkte Nachbar*innen um den Erhalt einer Erinnerungskultur bemühen.
Wenn du selbst aktiv sein möchtest, eine gute Methode um die Steine richtig sauber zu bekommen, ist ein Putzstein. Einfach nach Anleitung auftragen, 10min einwirken lassen und mit einem weichen Schwamm (blaue Seite, nicht die Topfreiniger) säubern. Mit Wasser und Küchentuch den Dreck entfernen und der Stein glänzt wieder.
Im September hatten wir zum dritten Mal in Folge einen antifaschistischen Infostand auf dem Saseler Heimatfest, um dort kostenlos Zeitschriften, Flyer und Sticker anzubieten. Die Schwerpunkte waren wie immer Feminismus und Antirassismus, aber auch andere Themen wurden behandelt, wie z.B. der G20 Gipfel in Hamburg. Gegen Spende gab es veganen Kuchen, Kaffee und Kekse, so konnten wir in diesem Jahr auch zum ersten Mal mit einem + aus der Sache rausgehen. Wir freuen uns auf das nächste Jahr.
Zur Kritik der „Heimat“ verlinken wir gern wieder einen aus unserer Sicht zutreffenden Artikel aus der Zeit: https://www.zeit.de/kultur/2018-02/heimatministerium-heimat-rechtspopulismus-begriff-kulturgeschichte
Einen kurzen Rückblick auf den Infostand inkl. Bildern gibt es hier: https://antifa393.blackblogs.org/2019/09/16/ruckblick-auf/
Leider gibt es auch in diesem Jahr schlechtes zu berichten. So hatte die im Kern faschistische „AfD“ wie jedes Jahr im Mai ihren unsäglichen Infostand auf der „bunten Meile“ in Bergstedt aufgebaut. Wir nahmen das Auftreten zum Anlass, um unserem Protest ausdruck zu verleihen. In diesem Jahr haben wir unseren Protest auf Grund der anfänglich noch wenigen Gegendemonstrant*innen auf das Verteilen von „Aufstehen gegen Rassismus“ Flyern beschränkt. https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/
Nach einiger Zeit des öffentlichen Bekanntwerdens trafen weitere Demonstrant*innen ein, es scheint laut „Indymedia“ sogar mehrere direkte Aktionen gegeben haben, zu denen sich die „AfD“ bisher aber nicht geäußert hat. Siehe dazu: https://de.indymedia.org/node/32346
Nachdem auf dem Volksdorfer Stadtteilfest im August 2018 ein erfolgreicher antifaschistischer Protest gegen die „AfD“ für reichlich Unruhe und Unmut gesorgt hatte, wurde seitens der Veranstalter*innen versprochen, dass die „AfD“ in Zukunft keinen Stand mehr betreiben darf. Leider haben wir in diesem Jahr erfahren, dass die Volksdorfer eingeknickt sind, und doch wieder Steigbügelhalter für die Faschisten gespielt haben. Wir werden uns für 2020 bereit halten um unserem Protest im Falle eines rechtsextremen Infostandes spontan Ausdruck zu verleihen!
Im Frühling tauchten an den Müllcontainern am Wendehammer beim TSV Sasel rechtsextreme Sticker von der NPD auf und wurden schnell wieder entfernt. an dieser Stelle erscheint unregelmäßig und selten weitere rechtsextreme Propaganda. Im November wurde uns z.B. von einem großen Hakenkreuz, das an die Wand im Durchgang zum „Saseler Parkweg“ 6-10 gesprüht war, berichtet.
Im Sommer 2019 gab es einen tätlichen Angriff auf eine als „links“ verortete Person, welche mit dem Fahrrad mitten am Tag auf der Straße „Waldweg“ unterwegs war. Nach anfänglichen wüsten Beschimpfungen aus einem Auto heraus, wurde die Person von zwei männlich gelesenen Personen mit Müll beworfen und zudem massiv weiter bedroht und beleidigt. Des weiteren wurde in der Straße „Weidende“ in Richtung Gymnasium Oberalster ein Hakenkreuz auf den Gehweg gesprüht, mehrere Hakenkreuze in eine Bank am Hühnermoor geritzt, sowie auf „FDP“ Plakaten die Parole „EU = KZ“ angebracht, welche mindestens eine antisemitische Relativierung der Shoa darstellt.
An diversen weiteren Orten erscheint regelmäßig rechtsextreme Propaganda in Form von Aufklebern.
Dies betrifft vor allem den „Farmsener Weg“ von S-Wellingsbüttel bis „Grootmoor“, „Am Pfeilshof“ auf Höhe der Irene Sendler Schule, die Außenparkdecks vom Alstertal EKZ, sowie S-Poppenbüttel, die Gegend Rund um Rewe am „Stüffeleck“, die Gegend zwischen U-Hoisbüttel und Grundschule Hoisbüttel, sowie den „Hermlienweg“ und den Weg von der G16 zur U-Farmsen. Haltet gerne die Augen auf und helft uns, diesen Schmutz zu entfernen.
Das war unser kurzer Jahresrückblick auf die Ereignisse im Jahr 2019. Bei Anregungen, Fragen, Kritik oder dem Wunsch uns kennenzulernen, schreibt uns gern bei Twitter, oder unter antifa393@protonmail.org
In diesem Sinne: Kommt gut in das Jahr 2020, es gibt viel zu tun! Alle zusammen gegen den Faschismus!